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Demokratie fällt nicht vom Himmel, sie muss erlernt, eingeübt und praktiziert werden. Diese Einsicht ist nicht neu. Sie hat aber in Zeiten besorgniserregender Demokratieverachtung und eines erstarkenden Antisemitismus Konjunktur erhalten. Aufgrund dessen wird an Schulen der Baustein Demokratiebildung massiv gestärkt. Welche ein Glück, dass es in Pforzheim seit knapp zwanzig Jahren ein Museum gibt, an dem sich Demokratie erfahren lässt. Vordergründig haben Demokratie und der in Pforzheim geborene Johannes Reuchlin (1455–1522) nicht viel miteinander zu tun: Reuchlin war Sprachforscher, Jurist, Staatsmann sowie theologisch hochgebildet und interessiert. Und doch lässt sich von ihm lernen, was Demokratie unter anderem heißt. In Zeiten großer Judenfeindschaft stellte er sich entschieden gegen die Versuche religiöser Eiferer, die jüdischen Bürgern ihre theologischen Schriften nehmen wollten und verteidigte das Recht des Individuums und der Glaubensfreiheit.

Die Demokratiebildung zu stärken, ist erklärtes Ziel der Kulturellen Bildung des Kulturamts, weshalb das pädagogische Programm für Schüler überarbeitet wurde. Die Klasse 6a/m des Hebel-Gymnasiums hatte die erfreuliche Gelegenheit, dieses als Pilotgruppe kennenzulernen. In Gruppen und angeleitet durch pädagogische Fachkräfte beschäftigten sich die Kinder zunächst einmal mit der Frage, wer Reuchlin überhaupt war. Der vierstöckige Museumsbau bietet sich zu diesem Zweck freilich an. Die arbeitsteilige Recherche mündete in einem selbst gedrehten Video, das die Kinder jeweils den anderen Gruppen vorstellten. Im Anschluss wurde die Klasse in zwei Gruppen geteilt. Die eine beschäftigte sich mit der Frage von Kinderrechten und ihrer Verletzlichkeit. Alltagsnahe Beispiele verdeutlichten den Schülern, wie präsent die Thematik in ihrem eigenen Leben ist. Die zweite Gruppe debattierte die Frage „Soll der Schulbeginn auf sieben Uhr vorverlegt werden?“ Dabei lernten die im systematischen Argumentieren noch unerfahrenen Kinder, wie fordernd es ist, eine Position zu formulieren und zu vertreten – vor allem aber: sich andere Meinungen anzuhören und gegensätzlichen Haltungen verbal mit Argumenten zu begegnen. Fazit: Der Besuch des Museums hat sich mehr als gelohnt, und dem Museum sind zahlreiche Besucher zu wünschen. Übrigens können auch ältere Jugendliche und Erwachsene hier viel lernen, nicht nur Unterstufenschüler!

Sebastian Barth