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Ungefähr sechs Millionen Jüdinnen und Juden sind während des Zweiten Weltkriegs getötet worden. Das Wissen um diese Zahl gehört zu den wesentlichen Fakten, die im Geschichtsuntericht verbindlich gelernt werden. Eine kaum vorstellbar hohe Zahl, und doch so abstrakt. Ella Liebermann-Shiber war keine dieser sechs Millionen Opfer. Zwar war sie Jüdin. Zwar lebte sie im deutsch besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs. Zwar war sie im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz inhaftiert. Aber sie überlebte. Und hat ihre grausamen Erfahrungen in Bleistiftzeichnungen festgehalten, um sie in Ansätzen verarbeiten zu können. Der Verein Zedakah (hebr. für „Wohltätigkeit“) aus Bad Liebenzell wurde gegründet, um Holocaustüberlebende zu unterstützen. Zedakah ist auch in der Bildungsarbeit tätig und hat vor kurzem die Wanderausstellung „Holocaust gezeichnet“ entwickelt, die die Zeichnungen von Ella Liebermann-Shiber in einer Ausstellung zeigt. Ansprechend aufbereitet, richtet sich die interaktive Ausstellung auch an Jugendliche, um ihnen dieses Thema in einer Zeit nahezubringen, die quasi keine Holocaustüberlebenden mehr kennt. Umso wichtiger sind Bildungsangebote wie dieses. Auf Vermittlung von Elena Link, Vorsitzende des Fördervereins des Hebel-Gymnasiums, hat sich die Fachschaft Geschichte bemüht, die Ausstellung am Hebel für alle Klassenstufen ab der 9. Klasse zu zeigen. Schwester Anne Rentschler führte an drei kompakten Tagen die interessierten Schüler, Lehrer und Eltern, für die auch ein Besucherslot eingerichtet wurde, kundig und empathisch durch die Ausstellung. Die Frage, was am meisten hängen blieb, ist hoch individuell und daher müßig zu stellen wie auch zu beantworten. Vielleicht ist es die nachhallende Schlussbotschaft: Ella entschied sich nach 1945 dazu, bewusst zu leben, das Licht im Leben zu sehen. Diese Botschaft versucht die Ausstellung, ihren Besuchern zu vermitteln: Du kannst wählen zwischen Gut und Böse – wähle das Gute. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Sebastian Barth