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Was gibt es Schöneres, als mit Vorurteilen aufzuräumen? Das mochten sich die geistigen Urheber von Girls‘ Day und Boys‘ Day gedacht haben, als sie auf die Idee kamen, Berufe nach typischen Geschlechterbildern gründlich aufzubrechen – warum auch sollten Ingenieure nur männlich sein und Erzieherinnen nur weiblich? Die Idee war jedenfalls erfolgreich: Immer mehr Jungen und Mädchen am Hebel nehmen das Angebot wahr, den jährlich wiederkehrenden Girls‘ Day bzw. Boys‘ Day auszuprobieren.

Iris Kuzmanovic aus der Klasse 6a/m möchte ihre positiven Erfahrungen gerne teilen und andere dazu ermuntern, auch einmal die Teilnahme zu wagen. Im Folgenden ist ihr Bericht zu lesen. Wie gut, dass das Thema „Bericht“ zuvor im Deutschunterricht gründlich eingeübt wurde!

Sebastian Barth

Mein Girls‘ Day

Mein Herz pochte, als ich die großen Gebäude des Fraunhofer-Instituts in Pfinztal sah. Andere Teilnehmerinnen standen auch da, ich kannte niemanden. Eine Mitarbeiterin begrüßte uns lächelnd mit netter, freundlicher Stimme. Meine Angst war plötzlich verschwunden und ich fühlte mich wohl.

Vormittags bauten wir eine Zitronen- und eine Kartoffelbatterie. Durch den Einsatz von zwei unterschiedlichen Metallen (Zink und Kupfer) als Elektroden und der Zitrone oder Kartoffel als Elektrolyt (ein Medium, das elektrischen Strom durch die Bewegung von Ionen leitet) entsteht  Spannung und bringt eine kleine LED zum Leuchten. Eine saftige Zitrone (Kartoffel oder Apfel) wird weich gerollt, um den Saft freizusetzen, und in der Mitte durchgeschnitten. Eine Zinkelektrode (negativer Pol) und eine Kupferelektrode (positiver Pol) werden in die Zitrone gesteckt, ohne sich zu berühren, die Elektroden werden verkabelt und am freien Ende mit einem LED-Lämpchen verbunden. Unser LED-Lämpchen leuchtete! Meine Partnerin und ich umarmten uns und wir jubelten. Zum Schluss wurden die Batterien aller Teilnehmer mit einer größeren LED verbunden. Ein kleines Licht machte uns alle glücklich sowie stolz und wir fühlten uns miteinander verbunden.

Zum Mittagessen gab es Spaghetti mit Tomatensoße. An dem Tag schmeckten die mir besonders gut!

Nachmittags stellten wir einen Spiegel her. Zuerst klang es ein bisschen unmöglich für mich, dass ich einen Spiegel herstellen kann. Eine kleine Glasplatte wird gründlich gereinigt, dann mit einer dünnen Schicht aus Silber oder Aluminium beschichtet und anschließend lackiert. So war mein Spiegel fertig! Zwei kleine Münzen zu versilbern und vergolden war die dritte, die letzte Aufgabe. Eine Kupfermünze (die 1-,2- und 5-Cent-Münzen) wird in eine heiße Lösung aus Zinkstaub und Kalilauge getaucht und anschließend mit destilliertem Wasser abgespült. Dabei muss man Schutzbrille und Handschuhe tragen. Mit meiner „Schutzkleidung“ war ich für ein paar Minuten eine „echte Wissenschaftlerin“, die die versilberte Münze auf eine heiße Platte legt und den Traum vom Gold „verwirklicht“.

Zum Abschluss gab es kleine Werbegeschenke des Instituts und das, was alle Kinder auf dieser Welt mögen: selbstgemachtes Eis.

Meinen Girls‘ Day werde ich nie vergessen. Ich bewundere die netten, klugen Ingenieure des Instituts. An dem Tag dachte ich, ich möchte auch eine Wissenschaftlerin werden!

Iris Kuzmanovic, Klasse 6a/m

Stefan Rietbrock

fotografiert, schreibt und unterrichtet am Hebel