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Dass der Nationalsozialismus nur „ein Vogelschiss“ in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte gewesen sei, ist die bekannt gewordene Behauptung eines AfD-Politikers. Diese Perspektive ist unter den Schülerinnen und Schülern des Geschichtsleistungskurses nicht mehrheitsfähig, im Gegenteil: Nach drei Tagen München und Dachau bleibt für diese These lediglich Kopfschütteln. München ist als „Hauptstadt der Bewegung“ noch bis heute von der Gestaltung durch die NS-Täter geprägt, wie ein geführter Rundgang durch das ehemalige Parteiviertel zwischen Königsplatz und Odeonsplatz zeigt. Zahlreiche von der NSDAP errichtete Gebäude geben einen Einblick vom Weltbild der Nationalsozialisten, die beispielsweise mit dem noch heute existierenden monumentalen Verwaltungsbau Besuchern die Macht der Partei demonstrieren wollten. Heute befindet sich darin das Zentralinstitut für Kunstgeschichte. Im nebenan gelegenen NS-Dokumentationszentrum, einem modernen Museum über Aufstieg, Alltag und Nachleben des Nationalsozialismus, nahm der Kurs an einem Workshop teil, der darin bestand, sich in Gruppen Teile der Ausstellung zu erschließen und im Anschluss dem Rest der Gruppe zu präsentieren. Den folgenden Tag verbrachte der LK in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Hier stand in einer kompakten Führung der Tag im Zeichen der Opfer des Nationalsozialismus. Dachau war eines der allerersten Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Es wurde aufgrund der Gestaltung und Führung des SS-Mannes Theodor Eicke zum Muster für die weiteren KZ, die im In- und Ausland in den kommenden Jahren hinzukommen sollten. Mehr als 200.000 Gefangene und weit über 40.000 Tote sowie eine als „Brausebad“ getarnte Gaskammer sprechen für sich – alleine schon der Respekt vor den Opfern („nur“) dieses KZ sollte es verbieten, die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs als „Vogelschiss“ zu erachten. Ein Teilnehmer der Gruppe sagte: „Es ist frappierend, den Unterschied zwischen NS-Monumentalarchitektur in München und der praktizierten Menschenverachtung in Dachau zu sehen.“ Dazwischen lagen nur wenige Kilometer.

Sebastian Barth